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In Branchen, in denen technisches Wissen schnell veraltet – etwa dort, wo Kundenspezifische LED Entwicklung in kurzen Abständen neue Kompetenzprofile verlangt – entscheidet nicht das Wissen einzelner Fachleute über den Erfolg, sondern die Fähigkeit eines Teams, dieses Wissen gemeinsam weiterzuentwickeln. Formale Weiterbildung kommt dabei selten schnell genug nach. Kollegiales Lernen dagegen schon: Es verlagert die Verantwortung für Entwicklung aus dem Schulungsraum in den Arbeitsalltag.

Peer Led Mentoring bezeichnet genau das – Lernen zwischen Kolleginnen und Kollegen auf Augenhöhe, ohne Hierarchie und ohne externe Trainer. Für Personalverantwortliche ist es interessant, weil es wenig kostet und trotzdem wirkt. Und weil es scheitert, wenn drei Bedingungen fehlen.

Was Peer Led Mentoring bedeutet – und was es nicht ist

Der Begriff beschreibt ein Format, in dem Mitarbeitende einander begleiten, ohne dass eine Seite formal weisungsbefugt ist. Beide bringen Wissen ein, beide lernen. Das unterscheidet es grundlegend von der klassischen Mentoring-Beziehung, in der eine erfahrene Person eine weniger erfahrene führt.

Dass Lernen in der Gruppe wirkt, ist untersucht. Die Universität St. Gallen beschreibt, warum Peer Learning in der Weiterbildung von Führungskräften wirksam ist – ein zentraler Grund liegt darin, dass Teilnehmende ihre eigenen Fälle einbringen und Lösungen an konkreten Situationen entwickeln, statt an konstruierten Beispielen.

Der Unterschied zum Coaching und zur klassischen Weiterbildung

Drei Formate werden regelmässig verwechselt, obwohl sie unterschiedliche Aufgaben haben:

  • Weiterbildung vermittelt Inhalte, die vorher festgelegt sind. Sie eignet sich für Wissen, das strukturiert vorliegt.
  • Coaching begleitet eine Person bei einer Frage, die sie selbst mitbringt. Die begleitende Person bringt Methode ein, nicht Fachwissen.
  • Peer Led Mentoring tauscht Erfahrungswissen zwischen Menschen, die dieselbe Art von Arbeit machen. Beide Seiten sind Fachleute.

Wer im Betrieb ein Format einführen will, sollte zuerst klären, welches der drei gebraucht wird. Ein Peer-Format löst keine Führungsfrage, und ein Coaching ersetzt keinen Fachaustausch.

Wann das Format besonders wirkt

Es gibt eine Situation, in der kollegiales Lernen anderen Formaten überlegen ist: wenn das nötige Wissen im Haus vorhanden, aber schlecht verteilt ist. Genau das ist in technischen Feldern der Regelfall – eine Person kennt ein Verfahren, eine andere ein Werkzeug, und niemand weiss, wer was weiss.

Die formale Weiterbildung hilft dort wenig, weil es keine Kurse für betriebsinterne Verfahren gibt. Ein externer Trainer kennt das Produkt nicht. Das Wissen liegt bei den Kollegen.

Warum das Thema an Bedeutung gewinnt

Der Druck kommt von drei Seiten, und die erste ist demografisch. Der Bundesrat hat im November 2025 einen Bericht zur demografischen Entwicklung der Schweiz verabschiedet. Eine Zahl daraus betrifft die Personalarbeit unmittelbar: Auf 100 Personen im erwerbsfähigen Alter kommen derzeit 33 Menschen über 65 – im Jahr 2055 werden es rund 45 sein.

Was das praktisch bedeutet: Es gehen mehr Menschen in den Ruhestand, als nachkommen. Jede Person, die geht, nimmt Erfahrungswissen mit, und die Zeit für Einarbeitung wird knapper, weil weniger Leute mehr abdecken müssen. Wissenstransfer ist damit kein Kulturthema, sondern eine Kapazitätsfrage.

Die zweite Seite ist die Fluktuation. Eine Auswertung zu Ursachen und Entwicklungen der Mitarbeiterfluktuation zeigt, welche Faktoren dabei zusammenkommen. Wechsel geschehen heute häufiger und kurzfristiger als früher – und Wissen, das nur in einem Kopf liegt, fliesst mit ab.

Die dritte Seite ist die Weiterbildungsbeteiligung. Das Bundesamt für Statistik erhebt regelmässig, wie viele Menschen in der Schweiz an Weiterbildung teilnehmen – und sie erreicht nie die gesamte Belegschaft.

Für die Personalarbeit ergibt sich daraus eine unbequeme Rechnung. Wenn Wissen mit jedem Wechsel abfliesst, mehr Menschen gehen als nachkommen und formale Weiterbildung nur einen Teil erreicht, muss der Rest über den Arbeitsalltag laufen. Kollegiales Lernen ist dafür kein modisches Zusatzangebot, sondern die einzige Form, die alle erreicht.

Der Punkt, an dem es konkret wird

Besonders deutlich wird das in Entwicklungsteams. Wer Produkte nach Kundenanforderung entwickelt – ob in der Elektronik, im Maschinenbau oder in der Software –, arbeitet ständig an Einzelfällen. Das Wissen darüber, welche Lösung bei welcher Anforderung getragen hat, entsteht im Projekt und verschwindet mit den Beteiligten. Kein Handbuch hält das fest, und kein Kurs vermittelt es.

Genau dort liegt der praktische Wert eines Peer-Formats: Es macht Projektwissen weitergabefähig, bevor es verloren geht.

Wie Sie das Format strukturiert einführen

Die vier Phasen

Erstens: Bedarf klären. Welches Wissen fehlt wo? Diese Frage lässt sich nicht am Schreibtisch beantworten. Ein Gespräch mit drei bis fünf Personen aus der betroffenen Einheit liefert mehr als eine Umfrage.

Zweitens: Paare oder Gruppen bilden. Nicht nach Hierarchie, nicht nach Sympathie, sondern nach dem, was jemand geben und was jemand brauchen kann. Freiwilligkeit ist dabei Bedingung – zugewiesene Lernpartnerschaften funktionieren selten.

Drittens: Rahmen setzen. Wie oft, wie lange, wo? Ein festes Zeitfenster im Kalender ist wirksamer als die Absprache, sich „bei Gelegenheit” zu treffen.

Viertens: nach drei Monaten nachfragen. Nicht bewerten, sondern hören, was passiert ist. Was daraus zu lernen ist, betrifft meist die Rahmenbedingungen, nicht die Beteiligten.

Rollen klären

Auch ohne Hierarchie braucht das Format Klarheit darüber, wer was tut. Wer lädt ein? Wer hält Ergebnisse fest, wenn welche entstehen? Und wer ist ansprechbar, wenn es nicht funktioniert?

Für Betriebe, die das Thema formalisieren wollen, gibt es in der Schweiz einen eigenen Weg: Der eidgenössische Fachausweis für betriebliche Mentorinnen und Mentoren qualifiziert Mitarbeitende dafür, Begleitungsaufgaben im eigenen Betrieb zu übernehmen.

 

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Das ist nicht für jeden Betrieb nötig. Sinnvoll wird es dort, wo mehrere Personen dauerhaft Begleitungsaufgaben übernehmen und dafür eine gemeinsame Grundlage brauchen.

Häufige Stolpersteine

Zeitmangel als grösstes Hindernis

Der häufigste Grund für das Scheitern ist banal: Es ist keine Zeit eingeplant. Kollegiales Lernen wird als etwas behandelt, das zusätzlich passiert – und fällt damit als Erstes weg, wenn es eng wird.

Was funktioniert: Die Zeit steht im Dienstplan, nicht im Kalender. Ein Termin, der bei Bedarf verschoben werden kann, wird verschoben. Einer, der als Arbeitszeit gilt, findet statt.

Wenn das Wissen zu einseitig fliesst

Peer-Formate leben davon, dass beide Seiten geben. In der Praxis kippt das oft: Eine Person erklärt, die andere hört zu, und nach drei Treffen ist es Nachhilfe.

Ein Gegenmittel ist die umgekehrte Frage. Wer erklärt, fragt am Ende: Was machst du anders als ich? Häufig kommt dann etwas zurück, das der Erklärende nicht wusste.

Fehlende Rückendeckung durch die Führungsebene

Der dritte Stolperstein ist der wirksamste. Wenn Führungskräfte das Format zwar erlauben, aber nicht unterstützen, merken das alle – und verhalten sich entsprechend.

Unterstützung heisst dabei nicht Teilnahme. Sie heisst: Die Zeit ist geschützt, Ergebnisse werden zur Kenntnis genommen, und niemand muss sich rechtfertigen, wenn er in einer Lernsitzung sitzt statt an einer Aufgabe.

Lernkultur und die Rolle der Organisation

Ein einzelnes Format verändert keine Kultur. Umgekehrt gilt aber: In einer Organisation, in der Fragen als Schwäche gelten, funktioniert kein Peer-Format – weil niemand zugeben will, etwas nicht zu wissen.

Wie sich Lernen in Organisationen tatsächlich vollzieht, ist Gegenstand angewandter Forschung; die Berner Fachhochschule untersucht in einem Forschungsprojekt Fragen aus diesem Bereich.

Digitale Formate und verteilte Teams

Wenn ein Team über Standorte verteilt arbeitet, fällt die einfachste Form kollegialen Lernens weg: das Gespräch nebenbei. Was dann bleibt, muss organisiert werden.

Drei Dinge haben sich bewährt. Erstens ein festes, kurzes Format – dreissig Minuten alle zwei Wochen, nicht zwei Stunden alle zwei Monate. Zweitens ein gemeinsamer Ort für Ergebnisse, an dem auch Kolleginnen nachlesen können, die nicht dabei waren. Drittens die Bereitschaft, unfertige Dinge zu zeigen: Ein halbfertiger Entwurf erzeugt mehr Austausch als eine fertige Präsentation.

Gerade in Entwicklungsteams, die an kundenspezifischen Lösungen arbeiten, lohnt sich der dritte Punkt. Wer eine Schaltung, eine Konstruktion oder ein Konzept im Zwischenstand zeigt, bekommt Hinweise, die später nicht mehr einzuarbeiten wären.

Fazit

Kollegiales Lernen ist das Format mit dem besten Verhältnis von Aufwand und Wirkung – aber nur, wenn drei Bedingungen erfüllt sind: Die Zeit ist eingeplant, der Austausch geht in beide Richtungen, und die Führungsebene deckt es. Fehlt eine davon, versandet es.

Für die Einführung braucht es keinen grossen Rahmen. Fangen Sie mit einem Bereich an, in dem der Wissensbedarf offensichtlich ist, und begleiten Sie ihn drei Monate.

Der erste Schritt kostet ein Gespräch: Fragen Sie drei Personen aus einem Team, was sie gern von einer Kollegin lernen würden – und was sie selbst weitergeben könnten. Die Antworten sind Ihr Konzept.

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